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Der vergessene Urnenhain in der Schönholzer Heide

Der alte Grabstein von Maria Tschiersky markiert heute den ca. 30 Meter mal 30 Meter kleinen Urnenhein. Bei einer Begehung der Schönholzer Heide mit Mitarbeitern des Berliner Kurier im August 2014 entdeckten wir den kleinen Hain. Durch Zufall stolperten wir über kleine Emailleschilder die noch unangetastet im Boden steckten, darauf zu lesen waren die Namen der hier in Urnen Begrabenen. Der Friedhof V ist im 2.Weltkrieg teil des Schlachtfeldes Schönholzer Heide gewesen.

Christian Bormann Pankower Chronik
Grabstein von Maria Tschiersky geb. Schulz

Bei seiner Wiederherstellung wurden Teile des Ursprünglichen Friedhofes ca. 1,5 Meter mit Erdreich aufgeschüttet. Hiervon Zeugen heute noch originale Zaunpfähle die an den Abbruchkanten aus dem Erdreich ragen. Gleichzeitig wurde der Friedhof verkleinert. Füchse gruben sich über die Jahrzehnte in die Abbruchkanten des Friedhofes, dabei trugen sie allerhand Material aus den Gräbern. Rings um den Friedhof V in der Schönholzer Heide lassen sich Grabblumen, Grabsteine, Knochen, künstliche Gebisse, Sarghenkel und Beschläge finden.

Christian Bormann Pankower Chronik
Urnenhain in der Schönholzer Heide

Bei meiner letzten Begehung im Juni 2015 musste ich feststellen das die Emallieschilder von sogenannten „Sammlern“ gestohlen wurden. Ich hatte die Schilder 2014 noch mit Zweigen verdeckt damit sie nicht entdeckt werden und möglichst lange erhalten bleiben. Diese Mühe war umsonst. In den 1940er Jahren war der Urnenhein noch zur Beisetzung genutzt worden. Vermutlich aus diesem Grund wurde die Fläche bei der Neuanlegung nicht überschüttet sondern einfach vom Friedhof abgetrennt und ausgespart.

Christian Bormann Pankower Chronik
offene Grabstelle der unteren Friedhofsebene,Sarghenkel und Grabblume

In der Nachkriegszeit hatten die Pankower andere Sorgen. Man kümmerte sich um die Überlebenden der Tod war allgegenwärtig und zum täglichen Begleiter geworden. So geriet der kleine Urnenhain schnell in Vergessenheit. Da auch die letzten Hinweise auf diese Begräbnisstätte geraubt wurden gibt es heute keine Zeugnisse mehr von diesen Hain. Das war für mich Grund genug mit dieser kleinen Geschichte einen Hinweis zu hinterlassen.

Autor: Christian Bormann, 12.10.2015

Das falsche Schloss Schönholz

Anfang der 1750 Jahre kaufte Königin Elisabeth Christine einen Teil der Schönhauser Fichten. Diese erstreckten sich damals noch vom Nordufer der Panke im Bürger Park bis zur Jungfernheide. Auf dem Areal der heutigen Schönholzer Heide ließ Elisabeth eine Maulbeer Plantage anlegen.

Christian Bormann
Gutshaus der Königin Plantage, sogenanntes Schloss Schönholz 1885

Die ab da an so genannte Königin Plantage gehörte organisatorisch zum Schlosspark Schönhausen. Am Rand der Plantage siedelte die Königin 1736 Kolonisten an. Es waren Leinweber und Tuchmacher. Auf diese Kolonisten lässt sich auch der Name Tuchmacherweg zurückführen. Den Namen Schönholz bekam die Kolonie 1791. So wurde aus diesem Teil der Schönhauser Fichten die Schönholzer Heide.

Christian Bormann
Allee zum Gutshaus, sogenanntes Schloss Schönholz 1885

Anfang der 1790er Jahre entwickelte sich die Königin Plantage zu einem Landgut. Das Gutshaus wurde um 1800 erbaut und war von innen Pompös ausgestattet. In den umliegenden Dörfern nannte man das Gutshaus Schloss Schönholz. Von 1872 bis 1884 befand sich in dem Gutshaus die höhere Mädchenschule von Henriette Jenrich.

Christian Bormann
antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1900

Die Berliner Schützengilde kaufte das Gelände samt Gutshaus. Der größte Teil des schon stark verfallenen Hauses wurde abgerissen. Das 1884 an Stelle des Gutshauses erbaute Schützenhaus behielt den Namen Schloss Schönholz. Um 1900 betrieb Hans Rettschlag neben dem neuen Schützenhaus sein Restaurant Schloss Schönholz. Hiervon zeugen heute noch verschiedene historische Ansichtskarten.

Christian Bormann
antike Postkarte Restaurant Schloss Schönholz 1903

Auf den Karten sind die übrig gebliebenen Teile des Gutshauses sowie vorgenommene An- und Neubauten wie Tanz- und Festsäle zu sehen. Spätestens mit Rettschlags Restaurant Schloss Schönholz war das Schützenhaus über die Grenzen Berlins hinaus als Schloss bekannt.

Christian Bormann
Schützenhaus, genannt Schloss Schönholz 1895

Gleich mehrere Gebäude auf der alten Königin Plantage in Schönholz konnten über 200 Jahre den Namen Schloss Schönholz für sich beanspruchen, ein echtes Schloss gab es hier jedoch nie.

Autor: Christian Bormann 09.10.2015

Pankow auf dem Tausend Mark Schein

Bei den Berliner Stadtkassenscheinen handelt es sich um sogenannte Serienscheine ausgegeben auf Grund der Deutschen Notgeldverordnung vom 9.September 1921. Über die Pankower Stadtkassenscheine zu 50 Pfennig hatten wir schon Berichtet. Beim stöbern in meiner Sammlung fand ich dann dieses Exemplar eines Tausend Mark Scheines.

Christian Bormann
Eintausend Mark Stadtkassenschein des Magistrat der Reichshauptstadt

Auf der Rückseite ist die Karte aller Berliner Stadtbezirke von 1922 zu sehen. Anlass dieser Abbildung war die Gebietsreform von Groß Berlin und die Eingemeindung von Pankow. Diese fand 1920 statt. Der hier abgebildete Notgeldschein wurde schon kurz nach Ausgabe abgewertet. Die Inflation 1923 schritt so rasch vorran das die Stadtkassenscheine schon kurz nach Ausgabe kaum noch Wert hatten.

Christian Bormann
1000 Mark der Stadtkasse der Reichshauptstadt Berlin

Da die Geldscheine ihren Wert schneller verloren als sie nachgedruckt werden konnten erfolgte als Notmaßnahme eine Überstempelung. In diesem Fall wurden aus Tausend Mark Drei Millionen. Einige Monate späte wurden die scheine schon zu Milliarden überstempelt. So konnte ein Leib Brot schon mal Zwanzig Milliarden kosten.

Autor: Christian Bormann, 09.10.2015

Alte Pankgrafen Vereinigung von 1381

Treue zum Vaterland,
Wohltätigkeit,
Freundschaft

Die Geschichte der Pankgrafen reicht bis in die Zeit des mittelalterlichen Raubrittertums. Urkundlich nachweisen lässt sich die Pankgrafenschaft ab 1381. Schon wärend der Hussitenkriege in der Mark wurden die Pankgrafen in Landsknecht Liedern besungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verliert sich der Orden. Im Jahr 1881 erfolgt die Wiederbegründung der Pankgrafen Vereinigung von 1381.

pankowerchronik, Christian Bormann, Pankrafenschaft,
alte Pankgrafschaft von 1381 um 1903

In Pankow sprach man schon im 17.Jahrhundert über die Legende von Pankgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Zu seinen Untugenden gehörte auch die Trunksucht. So stürzte er sich der Legende nach 1631 betrunken in voller Rüstung in die Panke, wo er jämmerlich ertrank. Seit her taucht Udo alle 50 Jahre als Nebelschatten auf. In einer zweiten zu ihrer Wiederbegründung im 19.Jahrhundert selbst geschaffenen Legende wird Udo zum Urgraf Udo mit der gespaltenen Klaue. Er soll es gewesen sein der die Pankgrafschaft 1381 gründete.

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Antritt der Pankgrafen zur „Ritterfahrt“

Anlass hierfür soll die Schlacht am Lausefenn gewesen sein. Gemeinsam mit anderen rechtschaffenen Rittern schlug Udo das räuberische Gesindel in die Flucht. Die siegreichen Friedensbringer sollen sich daraufhin zum Ritterorden der Pankgrafen vereinigt haben. Das Jahr 1631 wird zu 1381. Dieser Legende nach stürzte sich Udo mit der gespaltenen Klaue aus Gram darüber das sein geliebter Fluss zugeschüttet werden sollte in die Panke. Auch in dieser Legende ertrank Udo und tauchte alle 50 Jahre als Nebelschatten auf, allerdings um sich zu versichern das es die Panke noch gab.

pankowerchronik, Christian Bormann, Wirtshaus zum Pankgrafen
Wirtshaus zum Pankgrafen mit Panke-Badeanstalt 1900

Die Pankgrafen lebten stehts in der Nähe der Panke. Die Dörfer Wedding, Reinickendorf und Pankow waren ihre Heimat. Das die Pankgrafen oft Pankow zugeordnet werden erklärt sich aus ihrem verstärkten wirken aus Pankow heraus. Hier hinterließen sie auch die meisten Spuren. Beispielhaft hierfür ist das in den 1890er Jahren erbaute Wirtshaus zum Pankgrafen in der Schlossstraße 6 in Pankow, heute Ossietzkystraße. Feierliche Eröffnung war am 25.März 1896. Das Wirtshaus hatte eine angeschlossene Flussbadeanstalt an der Panke und ein Biergarten der 4000 Besucher faste.

pankowerchronik, Christian Bormann,
Pankgraf und Fotograf Richard Kasbaum 1900

Der bekannteste Pankower Pankgraf war vermutlich der Fotograf Richard Kasbaum. Kasbaum hinterließ die sogenannte Kasbaum Villa im Majakowskiring. Die Villa wurde 1900 bis 1901 im Neoklassizistischen Stil errichtet. Das Grundstück hatte er gut gewählt. In Sichtweite des Schloss Schönhausen und des Vereinshauses seiner Bruderschaft. Aus dem Biergarten vom Wirtshaus konnte jeder seiner Ordensbrüder sein imposantes Heim sehen. Nachdem das Baden in der Panke Anfang der 1920er Jahre verboten wurde ging auch das Wirtshaus allmählich zu Grunde. Die Pankgrafen zogen sich aus Pankow zurück.

Christian Bormann, pankowerchronik
Kasbaum-Villa Majakowski Ring Pankow 2015

Ihr neues Hauptquartier lag ebenfalls in der Nähe zur Panke, in der Chausseestraße 110 in Berlin Mitte. Auch dieses Quartier wurde später aufgegeben. Der heutige Sitz des Ritterordens „Alte Pankgrafenvereinigung von 1381 zu Berlin bey Wedding an der Panke“ befindet sich in der Mohrenstraße 63 in Berlin Mitte. Ein weiterer Pankower Pankgraf war Carl Schmidt, Architekt und Bauherr des in der Pankgrafenstraße Ecke Pestalozzistraße stehenden Gebäudes. Schinder-Schmidt wie er von den Pankowern genannt wurde war bekannt für seine roten Klinkerbauten. Hiervon zeugen heute neben Anderen noch das Rathaus Pankow sowie das Gesundheitshaus Grumkowstraße.
Auf einem kleinen Vorsprung in der Fassade steht die Figur eines überlebensgroßen Pankgrafen. Eine Privatinitiative sanierte das Mehrfamilienhaus 2003 denkmalgerecht. Das Wohnhaus von Carl Schmidt steht ebenfalls wie die Kasbaum Villa in direkter Nachbarschaft zu Schloss Schönhausen und dem Wirtshaus zum Pankgrafen.

Christain Bormann, pankowerchronik
Haus des Pankgraf Carl Schmidt Pankgrafenstr.5-8 2015

Um 1900 hatten die Biergartenbesucher und Ordensbrüder freie Sicht auf beide Häuser. Damals war die Sichtachse zur Parkgrafenstraße noch nicht verbaut.

Wenn aus der Panke Silber Quell
statt Wasser flosse Bier
dann säße ich an jener Stell
so aber sitz ich hier

Autor: Christian Bormann 04.10.2015

Manege frei für den Weltmeister der Schwertschlucker und den König der Joungleure

Die Bühne war ihr Leben. Der Weltmeister im Schwertschlucken Paul Widowski und der berühmteste Deutsche Joungleur-König Alfred Wolf genannt „King Repp“sind heute fast vergessen. Widowski und Wolf waren echte Weltenbummler zu ihrer Heimat jedoch machten sie Pankow.

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Weltmeister der Schwertschlucker Paul Widowski

Im Berliner Adressbuch von 1930, so recherchierte es Willy Manns, ist Paul Widowski mit der Wohnanschrift Kaiser-Friedrich-Straße 68 angegeben. Die damalige Kaiser-Friedrich-Straße ist die heutige Pankower Thulestraße.

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König der Joungleure Alfred Wolf alias „King Repp“

Der 1898 geborene Alfred Wolf war der König der Joungleure. Die Bühne war seine Welt. Als „King Repp“ verzauberte er sein Publikum. Im Jahre 1930 wirkte er mit seiner Artistennummer am UFA-Film „Die letzte Kampagne“ mit. Bis in die späten 1950er Jahre ging er noch auf Tournee in die ganze Welt. Seine Heimat fand er 1944 in Berlin Buchholz. Hier richtete er sich den Viktoriagarten in der Pasewalker Straße als Varieté ein.“King Repp“ starb 1968 und wurde auf dem Bucholzer Friedhof beigesetzt.

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Präsident der Internationalen Artistenloge, Max Buldemann

Als Präsident der Internationalen Artistenloge soll auch der am 21.Januar 1868 geborene Max Buldemann nicht unerwähnt bleiben. Buldemann reiste nach Amerika wo er verschiedene Berufe ausübte. Schnell verschlug es ihn zum Varieté. Unter dem Künstlernamen Max Berol-Buldemann begeisterte er als Hellseher, Rechenkünstler und Illusionist. Als wohlhabender Mann kehrte er 1901 nach Pankow zurück. In seiner Zeit als Präsident der Internationalen Artistenloge gründete er den 1.Gewerkschaftlichen Artistenverband. Bis zu seinem Tod am 25.März 1930 Wohnte Max Buldemann in der Florastraße 31. Sein Ehrengrab vom Land Berlin befindet sich auf dem Friedhof Pankow III.

Autor: Christian Bormann 23.09.2015

Pankows Zigarren-König Paul Juhl

Zu Pankow und Tabakwaren fällt uns sofort der Name Garbaty ein. Die Erinnerung ist noch gegenwärtig, nicht zuletzt durch die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Folgen.

Paul Juhl Werbung, pankowerchronik
Markenzeichen der Paul Juhl Tabakwaren Industrie

Längst vergessen hingegen ist Pankows Zigarren-König Paul Juhl und seine Eule. Die auf einer Zigarre sitzende Eule war das Markenzezeichen der „Paul Juhl Tabakwaren-Industrie Berlin-Pankow“.

Paul Juhl
alte Reklame Paul Juhl Berlin-Pankow

Seine erste Fabrik eröffnete Juhl am 2.Dezember 1869 in der Schönhauser Allee. Die Firmenzentrale befand sich in der Berliner Straße 29. Paul Juhls Zigarren waren in aller Munde.

Zigarrenherdtellung um 1900
Zigarrenherstellung um 1900

Um 1910 erstreckte sich ein Netz von Tabakwarenläden die auf die Produckte von Paul Juhl spezialisiert waren über Pankow. Die gesamte großflächige Werbefassade war auf Juhls Produkte ausgerichtet.

Tabakwarenladen Paul Juhl
Florastraße Ecke Wollankstraße 1910

Jedes Kind kannte die Juhl’sche Eule. Für 1910 lassen sich mindestens 5 Tabakwarenläden von Juhl in Pankow nachweisen. Auch im Berliner Bezirk Mitte gab es 2 große repräsentative Paul Juhl Tabakwaren Läden.

Paul Juhl Werbung, pankowerchronik
Neue Schönholzer Straße Ecke Wollankstraße 1910

Die 5 Tabakwarenläden befanden sich in der Florastraße Ecke Wollankstraße, Neue Schönholzer Straße Ecke Wollankstraße, Florastraße am S-Bahnhof Pankow, Masurenstraße Ecke Berliner Straße und Berliner Straße Ecke Vinetastraße.

Paul Juhl Werbung, pankowerchronik
S-Bahnhof Pankow 1910

Ab 1914 fertigte die Juhl Tabakwaren-Industrie Gesellschaft bereits mit 1200 Mitarbeitern in 9 Werken. Neben einem beachtlichen Sortiment an Zigarren gehörte auch die Zigarettenmarke „Lavari“ zur Produktpalette. „Lavari“ gab es in 4 Verschiedenen Sorten.

Paul Juhl Werbung, pankowerchronik
Masurenstraße Ecke Berliner Straße 1910

Pankows Zigarren-König starb 1919. Beigesetzt wurde Paul Juhl in der Erbbegräbnisstätte seiner Familie. Die Grabstätte befand sich auf dem Friedhof III in Pankow-Schönholz. Die Begräbnisstätte existiert heute nicht mehr.

Paul Juhl Werbung, pankowerchronik
Berliner Straße Ecke Vinetastraße 1910

Nach dem Tod Juhls übernamen seine Söhne Otto und Georg die Geschäfte. Unter ihrer Führung wurde die Firma Juhl in eine GmbH überführt. Bereits in den 1930er Jahren waren Juhls Söhne aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Autor: Christian Bormann 30.08.2015

Bormann's Pankower Chronik. Sagen, Mythen und Legenden aus Pankow. Autor und Publizist Christian Bormann. Historische Kurzgeschichten aus Berlin.